Sa

04

Apr

2009

NATO, Quo vadis?

Der NATO-Gipfel in Baden Baden und Sraßbourg hat die großen Veränderungen die das transatlantische Bündniss derzeitig durchmacht geradezu im Übermaß deutlich gemacht.

Der sehr zähflüssig ablaufende Wandel weg von einer territorialen Verteidigungs- hin zur multinationalen Interventionsstrategie ist auch heute noch keineswegs unumstritten. Doch die "Out of Area Einsätze" des Nordatlantikpaktes seit den 90er Jahren haben dem Militärbündnis mit dem Ende des Kalten Krieges ein von Grund auf neues Antlitz gegeben. Ein Zurück zur starren Verteidigungsdoktrin der 80er Jahre erscheint schon aufgrund der zahlreichen und weit gestreuten Verpflichtungen der NATO kaum noch möglich. Neben einer Personalentscheidung an der Spitze des Bündnisses, die den Wechsel auch glaubhaft verkörpern soll, muss natürlich der nicht ungefährliche Einsatz in Afghanistan im zentralen Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Die seit Ende 2001 erlittenen Verluste der NATO-Streitkräfte und das stetige Fußfassen der einst schon totgesagten Taleban in den paschtunischen Südprovinzen, insbesondere bei Kandahar der Heimat Mullah Omars, verdeutlichen, dass sich die Mitglieder der westlichen Allianz möglichst bald über ihr weiteres Vorgehen in der Kabuler Republik klar werden müssen, denn die Zeit arbeitet gegen sie.

Ein halbherziges Weiterführen des Einsatzes kann auf jeden Fall in niemandes Interesse liegen. Da ein Abzug aus Afghanistan schon aus Rücksicht auf die mit dem Westen kooperierenden Kräfte im Land, denen bei einer überstürzten Flucht der NATO- Truppen ein Massaker drohen würde, nicht realistisch ins Auge gefasst werden darf und vom Status quo derzeit nur die extremistische Guerilla profitiert, wird zu einem entschlosseneren Auftreten der Vertragspartner kaum eine Alternative bestehen, wenn die bislang erbrachten materiellen und vor allem personnellen Opfer nicht vergebens sein sollen.

Da eine "Afghanisierung" des Konflikts, wegen der Mängel in der Ausbildung der Truppen und Polizeikräfte Kabuls, bislang nur äußerst schleppend voranzukommen scheint, werden sich die NATO-Staaten, einschließlich der mitunter sehr skeptischen bundesdeutschen Öffentlichkeit, auf eine sehr lange Aufenthaltsdauer in Afghanistan einrichten müssen. 

Der sicher von großen innenpolitischen Auseinandersetzungen begleitete Entschluß der türkischen Regierung dem noch amtierenden dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen als künftigem NATO- Generalsekretär nicht die Gefolgschaft zu verweigern verdient großen Respekt und zeigt, dass man auch in Ankara die Funktionsfähigkeit der NATO als wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Friedens in Europa versteht und eine beleidigte Außenseiterposition als wenig zielführend betrachtet. Die politische Verbindung mit dem Westen die mit der Mitgliedschaft im Militärbündnis etabliert wurde ist offensichtlich auch von dem in den schweren Richtungskämpfen seiner AKP versinkenden Premierminister Erdogan als wichtiger Transmissionsriemen hin zu Europa erkannt worden.

Bedauerlich an einem NATO- Gipfel der den Führungswechsel am Ende doch reibungslos ermöglicht und den Weg für die wichtige strategische Neuorientierung in Afghanistan frei gemacht hat war neben den Ausschreitungen unverbesserlich erscheinender linker Chaoten, die hier nicht weiter kommentiert werden müssen, eigentlich nur die auf einigen Fernsehsendern geradezu penetrant aufgesetze Fokussierung auf das äußere Erscheinungsbild der Präsidentengattinen aus Frankreich und den USA, dabei haben wir doch beim besten Willen drängendere Probleme anzugehen.

 

Autor

Holger Alisch

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Kommentare: 1

  • #1

    Carsten Jung (Montag, 27 April 2009 15:58)

    Wer sich für dieses Thema interessiert, der kann sehr gerne an der Online-Konferenz der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit teilnehmen.

    Es werden jede Menge Experten dort sprechen und Teilnehmer können sich via Foren und Chat jederzeit einbringen.

    Anmeldung unter:
    http://virtuelle-akademie.fnst.org/webcom/show_article.php?wc_c=5278&wc_id=195&wc_p=1

    Ich hoffe, Sie dort begrüßen zu dürfen.

    Viele Grüße aus Potsdam

    Carsten Jung

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