Do

30

Apr

2009

Interessantes zum 1. Mai

Alle Jahre wieder am 1.Mai veranstalten die DGB-Gewerkschaften den "Tag der Arbeit" und die FDP den "Liberalen 1.Mai - Tag für Arbeit" Die Reden auf diesen Veranstaltungen strotzen oft vor Frontalangriffen gegen die jeweils Anderen. An solchen Tagen käme niemand auf den Gedanken, dass beide Organisationen teilweise gemeinsame historische Wurzeln haben. Dem ist aber so. Vor der Zeit des Dritten Reiches gab es in Deutschland eine -zumindest politisch- bunte Gewerkschaftsbewegung. Es gab Gewerkschaften die an den Anarcho-Syndikalismus glaubten, andere setzten auf die Sozialdemokratie und wieder andere bezeichneten sich als christlich.

Soweit so noch (recht) bekannt. Daneben gab es aber auch die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, die dem Liberalismus nahe standen. Sie setzten viel auf Selbsthilfe, lehnten den Klassenkampf ab und sahen Streiks nur als allerletztes Mittel, wenn andere Versuche der Einigung scheiterten. Die Arbeitsbedinungen wollten sie verbessern, indem sie durch Zusammenschluss der abhängig Beschäftigten deren Verhandlungsmacht gegenüber den Arbeitgebern verbesserten. Jenachdem welches Ereignis man als Stichtag nimmt, erfolgte ihre Gründung 1868 oder 1869, also vor etwa 140 Jahren. Kurz nach der Machterschleichung der Nationalsozialisten wurden sie zusammen mit den anderen Gewerkschaften verboten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Gewerkschaftsgründungen erlaubt waren, gab es in der deutschen Gewerkschaftsbewegung die Tendenz zur Einheitsgewerkschaft, die alle abhängig Beschäftigten unabhängig von ihrer Weltanschauung organisiert und in der Gründung des DGB mündete.

Folglich kann festgehalten werden, dass der DGB auch liberale Wurzeln hat. Wenn sich die FDP als alleinige Erbin des deutschen Liberalismus begreift, ist sie auch politische Erbin der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Sowohl der DGB als auch die FDP neigen dazu diesen Teil ihrer Vergangenheit totzuschweigen, -vor allem am ersten Mai. Ihre Stiftungen sind allerdings in diesem Punkt weiter. So gab die Otto-Brenner Stiftung 1994 ein Buch über die Gewerkvereine heraus und in den liberalen Stichtagen der Friedrich-Naumann-Stiftung werden Franz Duncker, Anton Erkelenz und Max Hirsch erwähnt.

Es wäre aber sicher nicht verkehrt, wenn sich beide deutlicher zu Ihrer Vergangenheit bekennen und sich mit ihr auseinandersetzen würden. Das man sich zu seiner Vergangenheit bekennt, heißt ja keineswegs das man alles richtig findet, was geschehen ist. Wir als junge Liberale in Trier wollen hier mit gutem Beispiel vorangehen und uns in diesem Jahr auch mit diesem Teil des Liberalismus kritisch auseinandersetzen.

 

Autor

Robert-Andries Sternschulte

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